Wenn der Wein eine Kennzahl hätte
Im Fußball gibt es mittlerweile für fast alles eine Kennzahl: Expected Goals, Laufleistung, Passquote. Allesamt Zahlen, die erklären sollen, was auf dem Platz passiert.
Auch beim Wein ließe sich vieles messen. Alkoholgehalt, Säure, Restzucker, Extrakt und mit etwas Fantasie vielleicht sogar so etwas wie ein „Expected Genuss“-Wert.
Ein Wein mit 13,5 % Alkohol, moderater Säure und ausgewogener Struktur müsste demnach ziemlich gut sein. Die Wahrscheinlichkeit eines gelungenen Abends wäre statistisch betrachtet hoch.
Und doch zeigt sich immer wieder etwas anderes.
Ein Wein kann auf dem Papier überzeugen und im Glas wenig sagen. Ein anderer wirkt zunächst unscheinbar und entwickelt genau das, was man nicht berechnen kann: Stimmung, Moment, Gespräch.
Vielleicht liegt genau darin der Unterschied: Zahlen helfen bei der Einordnung. Aber sie entscheiden nicht darüber, ob ein Wein wirklich überzeugt. Oder anders gesagt: Der „Expected Genuss“-Wert wäre am Ende nur eine Zahl. Aber nicht die Zahl entscheidet, sondern der Moment und das, was im Glas entsteht.