Wenn Reben alt werden

35 Jahre, 50 Jahre, 100 Jahre – auf manchen Weinetiketten wird mit dem Alter der Reben geworben. Aber macht eine alte Rebe automatisch einen besseren Wein?

Seit Oktober 2026 gibt es erstmals ein internationales Siegel, das Weine aus alten Weinbergen nach Altersstufen kennzeichnet. Ein guter Anlass, einmal genauer hinzuschauen. Denn alte Reben sind etwas Besonderes, aber nicht einfach deshalb, weil sie alt sind. Mit den Jahren reichen ihre Wurzeln oft tief in den Boden. Die Reben haben trockene Sommer, nasse Jahre, Frost und Hitze erlebt. Meist tragen sie weniger Trauben als junge Pflanzen. Was sie hervorbringen, kann dafür konzentrierter und eigenständiger sein. Eine Garantie für großen Wein ist das trotzdem nicht. Auch eine hundertjährige Rebe braucht einen guten Standort und jemanden, der weiß, wie man mit ihr umgeht.

Vielleicht liegt der eigentliche Wert alter Reben deshalb woanders.

Ein alter Weinberg erzählt von Menschen, die ihn über Jahrzehnte gepflegt haben. Von Winzern, die sich irgendwann gegen das Roden und Neupflanzen entschieden haben. Und von Reben, die geblieben sind, während sich um sie herum vieles verändert hat.

Das neue Siegel macht ihr Alter künftig sichtbarer.

Was wirklich darin steckt, muss allerdings weiterhin der Wein erzählen.